Jeder kann es schaffen!

Ja was eigentlich? Ich lese aktuell häufiger im Blog „Kaffee & Kapital“ in dem sich Martin Oetting mit dem Thema Demokratie auseinandersetzt. Übrigens kann ich gleich sagen, klare Leseempfehlung, gut geschrieben und man merkt, dass sich der Autor wirklich Gedanken macht. In seinem Post mit vielen gesammelten Artikeln, fiel dieser Ausspruch wieder „Jeder kann es schaffen!“. Spontan schoss es mir durch den Kopf, „Ja was eigentlich?“.

Damit wird oft suggeriert, wer viel lernt, viel arbeitet und sich dabei richtig Mühe gibt, der erreicht das Ziel: „mein Haus, mein Auto, mein Boot“. Kurz gesagt, am Ende steht Vermögen und ein geiles Leben, in dem man sich wenig Sorgen machen muss.

Genau darin sehe ich den Fehler. Am Ende läuft es auf Geld hinaus, für das wir das alles tun sollen und nicht auf ein angenehmes Leben. Es gibt aber auch einen Faktor, der diesen Ausspruch ad absurdum führt. Ich spreche hier von sogenannter angeblicher leistungsgerechter Bezahlung. Was viele darunter verstehen ist am Ende: Menschen, die putzen oder Haare schneiden bekommen einen Hungerlohn, wer studiert hat, der leistet automatisch „mehr“ und hat damit ein Anrecht auf mehr Kohle. Ob beide Seiten am Abend müde und geschafft sind, hat mit erbrachter Leistung natürlich „sicher nichts“ zu tun. Noch schlimmer wird es, wenn man sieht, was in den Führungsebenen verdient wird. Ganz oben angekommen sieht leistungsgerechte Bezahlung dann so aus. Herr Grube von der Bahn geht mit jährlich, die Betonung liegt auf jährlich 2.661.000 Euro heim, jedenfalls 2014, Anteil Festgehalt 900.000 Euro. Würde man von wirklich fairer Entlohnung ausgehen, dann könnte man sagen, je höher man kommt, je mehr nimmt die obere Ebene der unteren weg. Am Ende muss die Kohle ja irgendwo herkommen und verteilt werden! Wtf?

Sie können also quasi noch so gut gelernt haben, putzen aber sehr gut, sehr gerne und verdammt viel, ein Auto geht vielleicht noch, „Haus und Boot“ kann man aber definitiv vergessen. Altersvorsorge, was ist das?

Meiner These nach, kann sich Geld so nur nach oben verteilen. Jedenfalls dann, wenn wir nicht Arbeit als solches bezahlen, sondern nur nach Berufsstand und Bedarf am Markt. Über den Faktor, dass jeder Arbeitgeber als Erstes bei den Lohnkosten spart, will ich gar nicht erst reden. Wobei es besonders da einfach ist, wo sich viele Menschen um eine Stelle bewerben. Wenn man es genau nimmt, am Ende spielt man diese Bewerber sogar noch gegeneinander aus. Wer am billigsten ist bekommt den Job! Yeahhh! Jeder kann es schaffen! Nur was eigentlich?

Am Ende sollten wir eventuell mal grundsätzlich darüber nachdenken, wie wir Bildung, Arbeit, Gemeinschaft, Gesundheit und Geld sehen und gewichten. Die Fragen sollten lauten, warum wollen wir, was, wie und zu welchem „Preis“ schaffen! Solange wir Tätigkeiten, die alle wichtig sind, unterschiedlich wertschätzen, brauchen wir Sprüche wie „Jeder kann es schaffen“ gar nicht in den Mund nehmen. Welche Anreize, außer Geld, viel zu leisten, gibt es eigentlich? Wie sollten diese Anreize aussehen? Was können wir für uns und unsere Gemeinschaft tun?

Ich will diesen Post gar nicht weiter ausufern lassen, ich habe nur mal ein paar Gedanken festgehalten.

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